Beifall von allen Seiten
© DIE ZEIT, 50/1996
Es begann vor vier Jahren, als in Deutschland Jugendliche Asylbewerberheime anzündeten, als nicht nur Jugendliche “Ausländer raus!” riefen und so manche Politiker schwiegen. Da wollten 25 Schüler im friedlichen Bad Iburg wissen, was das bedeutet: “Fremdsein in Deutschland” wie das geht: aus der Geschichte lernen, und ob das praktisch machbar sei: Toleranz üben.
Lehrer Helmut Spiering hatte eine Idee, den Mut, die Regeln des Schulalltags aufzuknacken. Was folgte, waren drei Jahre Arbeit in Freizeit und Ferien in Bad Iburg und Berlin. Was entstand, ist ein Lehrstück als “medienpädagogisches Projekt”. Ein Film, der mit Hilfe von Zeitzeugen, Regisseuren, Theaterleuten, Kameramännern und Sponsoren deutsche Geschichte und Gegenwart jenseits von Lehrbüchern zu erforschen und zu erfahren sucht und dabei den Schülern und Schülerinnen die Hauptrolle anvertraut.
“Fremdsein in Deutschland”, der Film, der in keine Kategorie paßt - die ZEIT berichtete über die Premiere im Juni 1995 - hat inzwischen unter jugendlichen Zuschauern im In- und Ausland heiße Diskussionen ausgelöst, Preise gewonnen und sogar bei Politikern Wohlgefallen gefunden. Der Kanzler selbst übernahm jetzt die Schirmherrschaft für die Präsentation des Films im Haus der Geschichte zu Bonn, ließ wissen, er (der Film) sei ein hervorragendes Beispiel dafür, was Schüler und Lehrer gemeinsam verwirklichen können, wenn das für ein solches Projekt erforderliche Engagement vorhanden sei.
Avraham Primor, der israelische Botschafter, erinnerte an Anne Frank. Hermann Schäfer, Direktor des Hauses der Geschichte, schlug vor, den Film in alle Schulen übertragen zu lassen. Claudia Nolte wiederholte, was schon einem Zuschauer aus Österreich eingefallen war: Diese Jungen und Mädchen aus Bad Iburg, sagte die Ministerin, seien die “wahren Botschafter Deutschlands“.
Die Schülerinnen und Schüler, die Lehrerinnen und Lehrer, die das Iburger Beispiel als Denkanstoß für eigenes Handeln kennenlernen sollen, können das Video und ein Begleitbuch zum Film beim Klett Verlag bestellen. Wer immer ein so vorbildliches Projekt in anderen ganz gewöhnlichen deutschen Schulen weiterentwickeln will, darf eine lehrreiche Geschichte erwarten - und die besten Wünsche des Kanzlers.
“Fremdsein in Deutschland” ein Film von Jugendlichen + Begleitbuch zum Film hrsg. von Helmut Spiering, Klaus Tenfelde, Gerd Westphal Ernst Klett Schulbuchverlag Stuttgart 1996, 24,80 Mark Video: 68 Mark
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