Trailer - Fremdsein in Deutschland
Drehbuch: Jugendliche aus Bad Iburg
Zeitzeugen: Gad Beck, Artur Brauner, Rudolf Heltzel, Rainer Hildebrandt, Lew Kopelew, Ulrike Poppe, Günter Schabowski,Wolfgang Stresemann
Autoren, Darsteller, Musiker: Marcus Bechtel, Tanja Blom, Vera Engelmann, Claudia Eustergerling,Monika Farwick, Dirk Freytag, Dirk Heinrich, Natascha Hütten, Nils Kähler, Christiane Ketteler, Christoph Knapmeyer, Sebastian von Koppenfels, Christoph Landwehr, Detlef Loose, Heike Lünstroth, Markus Mechelhoff, Susanne Möller, Michael Rindermann, Sebastian Sandner, Michael Schütte, Henrik Töniges, Michael Tusch, Claudia Rösen, Amalie Walther, Clemens Walther
Künstlerische Beratung: Wolfgang Kolneder, Wolfgang Templin, Schauspieler und Schauspiellehrer Uwe Zerbe
Historische Beratung: Thomas Flügge, Gerd Westphal, Holger Mannigel
Musikalische Beratung: Franz-Josef Grümmer, Ulrich Mahlert, Angelika Walther-von Moock
Projektleitung: Helmut Spiering
Regisseur: Horst Seemann
Schnitt: Margrit Brusendorff
Kamera: Jürgen Sasse
Kameraassistenz: Dietrich Pohl, Steffen Pick
Standfotograf: Norbert Kuhröber
Ton: Klaus Tolstorf
Mischton: Klaus Hornemann
Tonassistenz: Emanuel Galgenmüller
Kostüm: Inge Marczinkowsky-Kistner
Maske: Peter Borgol
Ausstattung: Ingo Pries
Script: Marion Schwarz
Aufnahmeleitung: Catharina Findeisen
Beleuchter: Norbert Lude, Bernd-Uwe Leidecker
Produktionsleitung: Axel Möbius
Musikproduktion: Sonic Art Productions GmbH - Bredemann, Loose, Schütte „Zeugen der Zeit“, „Jazz 4 ease“, „Fliegende Gedanken“,„Mut zum Handeln“
Wie der Film vorbereitet wurde und was er bewirkt
Eine Idee zu haben, ist das eine, sie auch zu realisieren das andere. Dem unermüdlichen Engagement des Projektleiters, Helmut Spiering, ist es zu verdanken, daß letztlich das Projekt dann auch umgesetzt wurde.
Die Vorarbeit nimmt sich mühselig aus: Recherchen in Bibliotheken waren durchzuführen, die Gespräche mit den Zeitzeugen vorzubereiten und das Dokumentationsmaterial war zu sichten.
Wie aber vermeidet man - und darüber waren die Jugendlichen sich klar - einen allzu laienhaften Ansatz, wenn man vorher mit dem Medium Film noch nichts zu tun hatte?
Weitreichende professionelle Unterstützung war gefragt. In den Weihnachtsferien arbeitete der Regisseur Wolfgang Kolneder (bekannt durch Regie von „Linie 1“, Grips Theater Berlin) mit den Jugendlichen an dem Projekt.
Es wurde improvisiert, Szenen wurden neu geschrieben, umstrukturiert, auch verworfen. Viele Grundsteine wurden gelegt, doch die Zeit reichte einfach nicht aus. Jeder aus der Gruppe sollte seinen Part im Projekt erhalten, über den zeitlichen Aufwand waren sich die Jugendlichen im klaren.
Der Schauspieler Uwe Zerbe (bekannt durch Theater, Kabarett, viele TV-Filme) erklärte sich bereit, den Jugendlichen in den Ferien und ihrer Freizeit in Bad Iburg und Berlin zu einem schauspielerischen Fundament zu verhelfen.
Bei den Proben schaute der DEFA-Regisseur Horst Seemann zu. Die Arbeit überzeugte ihn, die Jugendlichen hatten ihren Regisseur gefunden. Nach 10monatiger Vorbereitungsarbeit war nun der Zeitpunkt zur filmischen Umsetzung gekommen. Requisiten mußten her, Drehorte gefunden werden. Aber selbst das war noch nicht alles:
Emphase und Eifer machen nicht satt, schaffen keine Unterkünfte, liefern keinen Strom für die Dreharbeiten und füllen keinen Autotank, um den Drehort zu erreichen. Nicht zu reden von den Kosten für den Drehstab, das Filmmaterial und die Rechte, Musikproduktionen, Dokumentationsmaterial und so weiter. In unermüdlicher Arbeit und Aufopferung wurden schließlich doch genug Förderer gefunden, und das alles in der Freizeit und in den Ferien.
Eine Nachrichtensendung banalen Inhalts ist Ausgangspunkt einer Szene, in der Zeitungsverkäufer verschiedener politischer Richtungen diese „Informationen“ politisch für ihre Ziele umfunktionieren. Da zweifelt einer an der Charakteristik des „jüdischen Ohres“ und wird von seinen hitlertreuen Mitschülern verprügelt. Da flüchtet eine Vertriebene über Leichen von Dresden nach Berlin und findet Unterschlupf. Da träumt eine junge Studentin vom Besuch im Westen und rennt gegen Mauern. Da wollen einige Jugendliche alte Kleidung ins Asylbewerberheim bringen und werden von brutalen Neonazis daran gehindert. Zwei entwurzelte Jugendliche aus Ost und West (Ossi - Wessi) führen die Gräben zwischen Deutschen vor Augen. In ihrem Ausblick auf die Zukunft am Ende des Films wollen sich die Jugendlichen nicht festlegen und entwickeln zwei Varianten: Eine negative, in der uniformierte Radikalinskis wieder eine Mauer errichten wollen, um den „gesäuberten“ Staat vor dem „Ausländerpack“ zu schützen, und eine positive, die den Gedanken der Solidarität, der Hilfsbereitschaft und des Aufeinanderzugehens transportiert.
Insgesamt entstehen so vor den Augen des Betrachters die wichtigsten Aspekte jüngerer deutscher Geschichte seit den 20er Jahren, die „uns“ und den jeweils „anderen“ zeigen und vermitteln können, was wir „Identitätsbestimmung“ nennen.
Das Ergebnis ist ein Film, der nicht den Anspruch erhebt, eine lückenlose Aufzeichnung der jüngeren deutschen Geschichte zu sein. Eine Patentlösung bietet der Film nicht; wohl aber zeigt sein humaner Blick Möglichkeiten eines toleranten Miteinanders auf. Mit ihrem Projekt wollen die Jugendlichen keine fertigen Antworten liefern, sondern vor allem Fragen stellen und zum Nachdenken anregen. In jedem Falle wollen sie auch deutlich machen, „daß nicht alle Deutschen klatschen, wenn Asylbewerberheime brennen“.
Das Ergebnis: Ein Beweis dafür, daß, wenn Jugendliche motiviert sind, sie sich auch für eine hochaktuelle und politisch brisante Problematik engagieren und Position beziehen.





