Trailer - Spirit of Europe
Die Jugendlichen: Constantin Binder, Antje Brameyer, Nico Dietrich, Jan Frisch, Tim Haufe, Sara Höweler, Anna Hoffmann, Oliver Kalkbrenner, Petra Kühn, Sebastian von Koppenfels, Stefanie Rammer, Daniel Seifert, Ina Stegemann
Zeitzeugen: Lissy Gröner, Fritz Gurgiser, Milan Horacek, Walter Langenegger, Reinhold Messner, Pierre Pflimlin, Dieter Rogalla, Roger Siffer, Elisabeth Wehrmann, Wolfgang von Zeppelin
Regie: Oliver Haller
Regieassistenz: Mandy Lehm
Kamera: Till Ludwig
Montage: Axel Martin
Ton: Bodo Strecke
Redaktion und Text: Jochen Kienbaum
Aufnahmeleitung: Marikka Reuter
Produktion: edit House GmbH · Berlin
Produzent: Helmut Spiering
GEFA-Flug GmbH: Rainer Hasenclever, Thomas Ansorge, Ralf Kremer, Heimo Wendelstein
Ballonteam Stockmeyer: Hansjörg Schwarz, Hans-Dieter Ewers, Bärbel Greife, Renate Günzel, Horst Schmidt, Helmut Uphaus
Die Idee: Wir, 10 Jugendliche, nehmen ein großes Luftschiff und ein kleines Luftschiff und lassen den „Spirit of Europe“ fliegen. Von oben haben wir dann Europa im Blick, und die da unten sehen, wie der Geist Grenzen und Schranken überwindet und ein Land, das zusammengehört, überfliegt: Intuition (lat. Sicht) nennt man das.
Das kleine Luftschiff startet in Bad Iburg an der Stelle, wo ein großes – das Luftschiff Deutschland – 1910 in den Wald gestürzt ist. Die Leinen des kleinen Luftschiffs verheddern sich. Wir starten trotzdem.
Was der Film thematisiert
Allein schon der Titel des Films (dem Lindberghschen Flugzeug listig entwendet) enthält alles, was die Jugendlichen wollen. „Spirit“ – das heißt auf deutsch „Geist“, aber auch: Sinn, Temperament, Leben, Mut, Gesinnung. Nachspüren wollen sie, wie es um diesen „Geist“ momentan bestellt ist – und selbst bringen sie in ihre Unternehmung ein, was denn „spirit“ auch noch heißen könnte: ihr Temperament, ihren Mut und ihre Gesinnung.
Zweierlei wollen sie also – sehen, ob Europa „lebt“, „Sinn“ macht – und sich und andere fragen, wie es denn – wenn nötig“ – „belebt“ werden kann. Das Besondere ihres Vorhabens. Auch hierzu liefert die englische Sprache ein bezeichnendes Wort: „in high spirits“. „In gehobener Stimmung“ wollen sie nachschauen, wie es um das europäische Haus bestellt ist.
Indem sie sich per Zeppelin in die Höhe tragen lassen, gewinnen sie eine Perspektive, die es ermöglicht, „von oben“ (d. h. auch distanziert) Überblick und Einsicht zu bekommen. „Europa“ halten sie so gleichsam tief.
Dass die Bodenhaftung dabei nicht verloren geht, dafür sorgt schon manch widriges Wetter. Idealistischer Ansatz und Realerfahrung gehen so auf’s Beste eine Symbiose ein.
Der Weg, den die jugendlichen „Luftschiffer“ nehmen („Matrosen“ hätte sie Jean Paul genannt), beschreibt eine Kreisbewegung im mitteleuropäischen Raum.
Ausgangspunkt der Zeppelinfahrer ist das niedersächsische Bad Iburg, Heimatstadt etlicher Jugendlicher; die Reise wendet sich zunächst Weimar zu, es folgen Tepla und Karlsbad (Tschechien), Linz und der Brenner (Österreich), das deutsche Breisach und Straßburg (Frankreich), Esch (Luxemburg), Verdun (Frankreich), Rotterdam (Niederlande), Brüssel (Belgien), um dann mit Bad Iburg den Kreis zu schließen.
Europa – solchermaßen umkreist, von oben inspiziert – ist nun aber mehr als ein geographischer Raum. Wesentlich für diese Erfahrung sind die Begegnungen mit anderen Menschen unterschiedlicher Nationalität und Herkunft.
Hier zeigt sich in gemeinsamem Spiel und Zusammensein, vor allem aber im Gespräch, Europa als ein vielfältig dimensionierter Raum, politisch, historisch, kulturell, ökonomisch und ökologisch vielschichtig strukturiert.
Das Bild, das sich solchermaßen „flugs“ und bodennah von Europa ergibt, hat etwas von einem Puzzle an sich, das in Teilen schon ahnen lässt, was einmal sein könnte.
Wie farbig das fertige Bild ausfallen könnte, deutet im Film symbolartig der eingefangene Regenbogen an. Hier hat jedes Segment je für sich seine eigene Farbe und bildet doch ein Ganzes.
Der Film läßt etwas von der Spannung erkennen, in der Europa sich gegenwärtig befindet; grammatisch ausgedrückt, ist dies die Spannung zwischen den Adverbien „schon“ und „noch nicht“.
Das „schon“ ist dabei eine durchaus schätzenswerte Bilanzaussage; das „noch nicht“ stellt aber – so bedrückend dieser Befund auch empfunden wird und durchaus Skepsis zeitigt – für die jugendlichen „Matrosen“ eine besondere Herausforderung dar, der man engagiert und mutig begegnen möchte.
Um es noch einmal grammatisch auszudrücken: Europa ist noch wesentlich eine Sache im Futur – und gerade deswegen faszinierend, weil Freiräume vielfältiger Art eröffnet werden, dem Konjunktiv eine Chance gelassen wird.
Dieser in den Filmgesprächen immer wieder aufscheinende Modus hat es in sich:
Er läßt Träume zu, Visionen, sogar Hexerei (und da macht es gar nichts, wenn selbst die einmal versagt) und setzt kreative Phantasie frei.
Europa – so ins Bild gesetzt – erscheint machbar.
Fragen, die der Film aufwirft
Welches Bild von Europa wird vermittelt?
Welche Erfahrungen der Jugendlichen verdeutlichen, dass Europa ein äußerst komplexes Gebilde darstellt?
Inwiefern stellt der europäische Raum mehr dar als ein ökonomisches Ensemble?
Welche unterschiedlichen Einschätzungen erfährt Europa durch die Gesprächspartner der Jugendlichen?
Welche historischen Erfahrungen prägen den europäischen Raum?
Inwieweit haben Kriege und Friedensschlüsse das politische Klima in Europa geprägt?
Inwieweit trifft die Aussage zu, Europa sei ein noch zu vollendendes Puzzle? (Wie sind die Bilder „Mosaik“/ „Europäisches Haus“ hinsichtlich ihrer thematischen Relevanz einzuschätzen?)
Welche Puzzle-Teile (Mosaik-/Bau-Steine) sind schon da, welche fehlen noch?
Warum dauert es eigentlich so lange, Europa als politischen Integrationsraum zu realisieren?
Was leistet das Regenbogensymbol hinsichtlich eines denkbaren Zusammenlebens unterschiedlicher Nationen?
Wie unterscheidet sich dieses Modell von anderen Modellen des Zusammenlebens (z. B. vom Melting-pot-Modell)?
Was kennzeichnet eigentlich einen Europäer?
Wie könnte ein geeintes Europa aussehen?
Was bedeutet die fehlende einheitliche Sprache für das Projekt Europa?
Stehen Nation und europäische Integration im Gegensatz zueinander?
Sollte das organisierte Europa erweitert werden?
Was leisten die bestehenden europäischen Institutionen für die Entwicklung des europäischen Geistes?
Auf welchen Gebieten sollte der Integrationsprozess beschleunigt werden?





